Neues aus dem Verlag 1/2025
Liebe Freundinnen und Freunde des Verlags, liebe Leserinnen und Leser
Nächste Woche ist es wieder soweit: Vom 26. bis zum 30.3. findet die Leipziger Buchmesse statt. Auch wir sind vor Ort – Sie finden unseren Stand in der Halle 5, F 110 – und wir freuen uns immer über Besuch.
Selbstverständlich werden wir in Leipzig auch unsere drei Frühlingsnovitäten dabei haben. Hier geben wir Ihnen schon einmal einen kleinen Vorgeschmack.
1 Walter Benjamins Adressbuch

Das sogenannte «Pariser Adressbuch» ist ein kleines Büchlein mit einem Dutzend Einlageblättern. Es enthält Walter Benjamins gesamtes Beziehungsnetz der Exiljahre – rund 300 Namen von Personen und Institutionen. Allergings geben die Angaben fast ebenso viele Rätsel auf, wie sie Informationen enthalten. Der Literaturwissenschaftler Georg Wiesing-Brandes hat es sich zur Aufgabe gemacht, in langjährigen Recherchen allen Hinweisen des Adressbuchs nachzugehen. Entstanden ist eine 800-seitige Publikation, die die Personen in Benjamins Umfeld kenntlich macht und so ein neues Bild seiner Exiljahre zu zeichnen vermag. Zudem hat Wiesing-Brandes unbekannte Briefe und Dokumente aufgespürt oder konnte den Weg rekonstruieren, den verschollene Manuskripte gegangen sein müssen.
Was die Recherchen ebenfalls zeigen: Es ist ein Mythos, dass Benjamin in dieser Zeit vereinsamt und isoliert gewesen sei, wie es bisherige Biographien darstellen. Das Spektrum der Personen umfasst nicht nur Emigranten-Kollegen wie Adorno, Brecht, Bloch, Kracauer oder Koestler, sondern auch zahlreiche französische Autoren. Daneben finden sich die starken Frauen jener Zeit: Hannah Arendt, Gisèle Freund, Bryher, Germaine Krull, Adrienne Monnier, Anna Seghers und viele andere bisher kaum wahrgenommene. Überraschend ist auch die grosse Zahl politischer Aktivisten, sei es aus dem Umfeld kommunistischer Parteien, sei es von Willi Münzenberg oder der Spanienkämpfer. Wiesing-Brandes’ Publikation ist eine spannende Fundgrube für alle, die sich mit Walter Benjamins Biographie oder der Zeit des Exils beschäftigen wollen.
Georg Wiesing-Brandes
Walter Benjamin. Das Pariser Adressbuch
Eine Biographie des Exils im Spiegel
Leinen mit Schutzumschlag, 13,8 x 22,8 cm
800 Seiten, 101 Abb.
ISBN 978-3-03850-085-8, EUR/CHF 48.00
2 Lyrik von Iren Baumann
Als 1990 Iren Baumanns erster Gedichtband in der legendären Eremiten-Presse erschien, spürte man sofort: Das ist eine neue Stimme. Eine merkwürdige Mischung aus lakonischer Nüchternheit, Selbstironie und feiner Aufmerksamkeit für Worte und Dinge. Auch eine gewisse Verletzlichkeit gegenüber den Zumutungen des Alltags gab sich kund, zugleich aber deren Transzendierung durch Phantasie und einen gewitzten Sinn für das Absurde. Immer sind es reimlose, in einem eigenen Rhythmus gefasste Verse, deren Syntax und freiem Klang man erst auf die Spur kommen muss. Zugleich eignet ihnen nichts Hermetisches; bedeutungsraunende Verrätselung ist nicht ihre Sache. Statt dessen ist das Vokabular gänzlich unprätentiös, bisweilen spielerisch. Verstärkt hat sich in ihren neuen Texten das Moment der Erinnerung: blitzhaft aufscheinende Szenen aus der Kindheit oder kleine Begegnungen mit nahen Menschen – in wenigen Strichen hingesetzt wie eine japanische Tuschzeichnung.
«Zärtlichkeit und Genauigkeit verbinden sich in ihnen mit einer koboldhaften Heiterkeit», schrieb dazu Manfred Papst; «Iren Baumann sieht in die Menschen hinein und durch sie hindurch, scheinbar simple Dinge schimmern bei ihr in einem gebrochenen Licht und offenbaren so eine ungeahnte Schönheit.» Dazu eine kleine Kostprobe:
Glanz
Über der Strassenlaterne
fällt der Regen wie Goldflitter
auf die übriggebliebenen
gelben Blätter der Birke
entfacht Jahrmarktslichter
in der Düsternis der Dezembernacht
vor Vergnügen kreischende Kinder
auf fliegenden Sesselchen
als man aus dem Staunennicht herauskam
für die Besichtigung des toten Wals
den ganzen Besitz
an zusammengesparten Münzen hervorklaubte
und schliesslich durch die aufgeputschte Menge
mit leeren Hosentaschen
und feuchten Wimpern
davonschlich.
Iren Baumann
Ein Augenblick oder zwei. Gedichte
Hardcover, 20,5 x 13,8 cm, 72 Seiten
ISBN 978-3-03850-103-9, EUR/CHF 24.00
3. Über Karl und Robert Walser
Dass die beiden Walser-Brüder heute noch zu faszinieren vermögen, beweist unter anderem auch das grosse Interesse an dem Buch «Seltsame Käuze, wir zwei». Wir freuen uns, dass der Band pünktlich zur Karl Walser-Ausstellung im Robert Walser-Zentrum Bern in einer zweiten, aktualisierten Auflage erscheint und somit ab sofort wieder lieferbar ist.
Der Berner Dominique Uldry fotografierte für die Publikation die Orte, die im Leben von Karl und Robert Walser eine wesentliche Rolle spielten: Biel, Zürich, Wädenswil, Berlin, Bellelay, Bern und Herisau. Und er fragte sich: Was bleibt von Geschichte übrig? Wie sehen heute die Orte aus, an denen sie sich einst ereignete? Erzählen sie noch von den ehemals bedeutsamen Dingen?
Bernhard Echtes Essay zeichnet parallel dazu nach, wie der eine Bruder durch den anderen womöglich erst zu dem wurde, der er war.
Die Ästhetik der Darstellung und die Poetik des Schreibens – was hatten sie gemeinsam? Und was trennte sie? Diese Fragen haben Karl und Robert Walser zunächst in grosser Übereinstimmung, zuletzt aber in prinzipieller, ja geradezu unversöhnlicher Meinungsverschiedenheit thematisiert. Was sie dazu führte, versucht Bernhard Echtes Text zu ergründen.
Bernhard Echte, Dominique Uldry
«Seltsame Käuze, wir zwei.» Karl und Robert Walser
Broschur, 15,5 x 23,1 cm, 176 S., 60 Abb.
2., aktualiserte Auflage
ISBN 978-3-03850-105-3, EUR/CHF 28.00
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